Der Schalk - Hauptfigur der Gengenbacher Fasend

Der Gengenbacher Schalk ist die Hauptfigur der Gengenbacher Fasend und wurde 1954 ins Leben gerufen. In der Nacht auf den Aschermittwoch wird diese Figur, welche der eines Hofnarren ähnelt in den Niggelturm verbannt. Im Anschluss an diese Verbannung hat das närrische Treiben in Gengenbach wieder eine fast einjährige Pause. Doch nun zum eigentlich Wichtigen, nämlich dem »Wecken« des Schalks am Niggelturm.

Die Gengenbacher Fasend beginnt immer genau dreieinhalb Wochen vor dem Aschermittwoch. An eben diesem besagten Samstag – auf welchen alle Narren sehnsüchtig warten – treffen sich ein paar tausend Gengenbacher, gekleidet im weißen Nachthemd am Bahnhof und ziehen von dort aus durch die Straßen der Stadt an den Niggelturm. Hier schläft der Schalk und kann nur durch die lauten »Schalk wach uff – Schalk mach mit – Schalk kum ra s´isch Fasendszit« Rufe geweckt werden. Akustische Verstärkung werden durch Klepperle, Trommeln und allerlei »Krachinstrumente« geleistet. Nach einiger Zeit entflammt auf dem Turm ein grandioses Feuerwerk, was schon ankündigt dass es bald soweit ist, der Schalk ist wach und befindet sich auf dem Weg zur Turmspitze. Wenn es dann endlich soweit ist, betritt der Schalk die Balustrade des Turmes und winkt der aufgebrachten Menge fröhlich zu. Im Anschluss steigt der Schalk die Wendeltreppe des Turmes hinunter und hält am Fuße des Niggelturmes sein erstes Gedicht. Danach zieht er dann mit der großen Narrenschar Richtung Rathaus, wo er symbolisch den Rathausschlüssel des Bürgermeisters in Empfang nimmt um sodann für die nächsten dreieinhalb Wochen das Zepter zu führen.

Am selben Abend zieht der Schalk auch durch die Lokale unserer Stadt und macht den Bürgerinnen und Bürgern damit kund, dass die närrische Zeit in unserem Städtle seinen Lauf genommen hat. Voller Freude auf die bevorstehende Fasend haben der Schalk und seine Begleiter auch hier schon dass ein oder andere Schorle zuviel getrunken, jedoch haben die Narren nach dem Hemdenglunkertag wieder eine Woche Pause, bevor es dann, meistens am Wochenende darauf zu einem Narrentreffen geht. Auch hier ist die Gengenbacher Hauptfigur präsent und läuft an der Umzugspitze gemeinsam mit dem Bott und den dann folgenden Narrenräten. Eine Woche später kommt dann der große Zunftabend, der »Heitere Owe«, auch an diesem trägt der Schalk ein paar Gedichte vor und führt durch das Programm des Abends. In der Woche darauf beginnt mit dem Besenaufstellen am Mittwoch die Gengenbacher »Stroßefasend«, auch hier ist der Schalk mit dabei und motiviert die Hexen beim Stellen des überdimensionalen Hexenbesens auf dem Marktplatz.

In den darauf folgenden Tagen treibt sich der Schalk in den Lokalen, Gäschen und Straßen herum, wo er durch seine vielen Glöckchen am Häs akustisch auf sich aufmerksam macht. Am »Fasendfriddig« ist dann Kinderfasend, dieses „Event“, welches der Schalk mit Hexen und Spättle organisiert ist einer der Höhepunkte für unseren „Narrensamen“ und lockt meist über 100 Kinder vor das Rathaus. Am Samstag liefern sich Klepperlesbuben aber auch Mädle spannende Kämpfe beim Klepperleswettbewerb, welcher unter anderem von der Hauptfigur – dem Schalk – moderiert wird. Der »Fasendsunndig« steht ganz im Zeichen des Großen Umzuges, welchen der Schalk von der Spitze weg begleitet. Am darauf folgenden »Rosemändig« hat der Schalk eigentlich noch einmal eine kleine Pause, bevor es dann am Dienstag noch einmal richtig zur Sache geht.

Nach dem Kinderumzug führt der Schalk die große Menge an Kindern zu den Stationen des »Gizzig rufens«, welches nicht selten auch für die Stimme sehr anstrengenden sein kann. Sind die jungen Narren mit allerlei „Guzzele“, „Würstle“ und „Weckle“ zufrieden gestellt, ist meistens schon Zeit sich langsam auf das bevorstehende Spektakel des Besenverbrennens vorzubereiten. Denn der Schalk hat genug von der Fasend und will wieder zurück in seinen Turm. Dafür muss er sozusagen die große Schar an Hexen durchbrechen um mit dem Feuer aus seiner Laterne den großen Hexenbesen anzuzünden. Oft scheitert dies an übergroßem Eifer versammelter Hexen, doch irgendwann findet sich für den Schalk ein kleiner Spalt, durch welchen er den Besen entflammen kann. Jetzt ist es bald wieder soweit, die fasnachtlichen Stunden schreiten schneller als jeder will ihrem Ende entgegen und ehe man sich umsieht, ist es schon wieder Viertel vor Zwölf. Gemeinsam mit dem Zunftmeister betritt der Schalk den Rathausbalkon und spricht dort seine letzten Worte:

Höre, was ich euch will sage,
glich duet d´ Glock jetzt Zwelfi schlage
un mit´m letschde Zwelfischlag
fangt a de Aschermittwochtag
Drum gehen jetzt heim, ich bitt euch drum,
d´Fasend isch jetzt us un rum
Dien euch brav ins Bett nilege
Vun Morge ab geht´s schu degege.

Anschließend wir der Schalk, meist von aberhunderten Narren zum Turm begleitet, wo er Punkt zwölf Uhr den kleinen Hexenbesen abhängt, um sodann, die Turmtüre ein letztes Mal hinter sich zu schließen, bevor er dann wieder geweckt wird, mit dem wichtigsten Ruf der Gengenbacher Fasend »Schalk wach uff, Schalk mach mit, Schalk kum ra s´isch Fasendszit« – ein Jahr später versteht sich. Doch die Narren wissen sich zu trösten mit einem einfachen Sprichwort, was immer gilt »S´geht degege«.

 


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zuletzt aktualisiert am:31.01.2009, 14:28