Der Lumbehund

Der Lumbehund, früher Wust, Wuescht oder usg´stopfter genannt, ist wohl die älteste Fasendfigur von Gengenbach. »D´Fasend fangt im Ewerdorf a!« Das ist eine unantastbare Regel der Gengenbacher Narren. Nun waren im Oberdorf viele Bauern ansässig. Sie waren meist sehr arm und konnten sich keine aufwendige Maskerade leisten. Damit bei Veranstaltungen auch die armen Leute mitfeiern konnten, wurde normale Arbeitskleidung mit Heu oder Stroh ausgestopft und mit bunten Flicken versehen. Schon war ein neues »Häs« geboren! Knöpfe gab es an den Jacken und Hosen sleten - da es diese schon beim Ausstopfen wegsprengte: sie werden heute noch durch Schnüre ersetzt. Das Gesicht wurde mit einem alten Lumpen verdeckt, in den einfach für Mund und augen Löcher eingeschnitten wurden. Ganz sparsame verschmierten sich das Gesicht mir Ruß, man wollte ja nicht erkannt werden! Als Kopfbedeckung diente ein alter Hut. In der Hand schwang der einer Vogelscheuche ähnlich sehende eine lange »Wied«, eine Weidengerte, das Frühlingssymbol. Damit wurden die zahlreichen Kinder »gefitzt«, die jedem Usg´stopften nachliefen...

Wie entstand der jetzt gebräuchliche Name Lumbehund? Es gibt drei Versionen:

Um die vorige Jahrhundertwende führte der »Faschingverein Humor« als Fasnachtsspiel auf dem Marktplatz den »Schinderhannes« auf. Der Refrain eines allseits bekannten Liedes lautet:
 »Das war der Schinderhannes, der Lumpenhund, der Galgenstrick...«

Das wurde wohl bei dem Spiel auf dem Marktplatz auch gesungen - der »Lumbehund« verdrängte den alten Begriff »Wuescht«... Es ist aber auch möglich, dass viel früher schon der »Lumbenhund« aus einem Schimpfwort entstand, mit welchem man die Lumpenlieferanten, die zur Papiermühle hinten im Tal durch das Oberdorf zogen, benannte. Die hatten vor ihren Karren Hunde gespannt, also »Lumbenhunde«. Noch eine weitere Version ist denkbar, dass der Gengenbacher Narrenruf »O du alter Lumbehund, hesch nit g´wisst, wenn d´Fasend kunnt? Hedsch di´ Mull mit Wasser g´riewe wär dir´s Ged im Beutel bliewe: Narro!« von auswärts übernommen wurde, denn auch andernorts ist dieser Spottvers bekannt: »Hanseli, du Lumpenhund...« usw.

Fest steht jedoch, dass der Lumbehund durch die Narrenzunft eine wesentliche Neubelebung dadurch erfahren hat, indem jetzt alle, die neu bei den Hexen aufgenommen werden, am Fasend-Sundig nicht in der Hex´, sondern als Lumbehund beim Umzug mitlaufen, oder besser gesagt, mitrollen. Die Kleidergröße und das Ausstopfen hat inzwischen Dimensionen angenommen, die dem Lumbehund kaum Bewegungsfreiheiten lassen. Sitzen ist schier unmöglich, »laufen« recht schwer und wer als »Usg´stopfter« einmal liegt, würde ohne Hilfe schlichtweg verdursten. Apropos Durst: Schon beim Ausstopfen, Stunden ovr dem Umzug, ist jeder damit beschäftigt, den aufkommenden Durst mit Bier und Wein, und zur Verdauung auch etwas Schnaps zu löschen, ohne sich Gedanken zu machen, wie er die überschüssige Flüssigkeit, die sich im »Blässli« staut, loswerden kann. Meist wird der Ernst der Lage erst richtig bewußt, wenn Unmengen von Heu den leeren Raum zwischen Körper und Kleidung ausgefüllt haben. Über die einzelnen Methoden, wie Leitung legen, Windeln oder einfach laufen lassen, soll hier nicht berichtet werden.

Die Lumbenhunde sind beim Umzug ein beliebtes Spielzeug der Hexen.Sie werden durch die Straßen gerollt, aufgestellt, angeschubst, so dass sie sich bewegen müssen und irgendeine der Hexen wirft sie dann wieder um. Sofort stürmen alle anderen Hexen heran, stürzen sich auf sei und machen es sich auf ihren ausgestopften Körpern bequem. So geht es vom Umzugsbeginn an bis zum Schluß. Dazu sei gesagt: Ist der Umzug zu Ende, sind es auch die Lumbenhunde. Gezeichnet, in Schweiß gebadet (man stelle sich die Wärme unter dem Heu vor), durstig, einfach am Ende, können sie es kaum erwarten von ihrem überdimensionalen Körper befreit zu werden. Nach der fälligen Dusche oder Bad und vielleicht auch etwas Schlaf, ist man jedoch schnell wieder erholt, und nun geht´s logischerweise wieder zum »Schnurren und Schnaigen« auf die »Fasend«.

 


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zuletzt aktualisiert am:09.11.2008, 15:55